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Abfindungen nach Kündigungen: Verhandeln ohne den Bogen zu überspannen

Arbeitsrechtler Michael Fuhltrott beschreibt Abfindungsverhandlungen als Pokerspiel. Entscheidend sind Konfliktbereitschaft, eine realistische Einschätzung der eigenen Position und der richtige Ausstieg.

22. Aug. 2026, 06:32 · 2 Min. Lesezeit · Quellenlage: ZEIT ONLINE

Abfindungsverhandlungen nach einer Kündigung sind selten eine nüchterne Rechenaufgabe. Der Arbeitsrechtler Michael Fuhltrott, der Beschäftigte in solchen Situationen berät, beschreibt sie vielmehr als ein Pokerspiel: Beide Seiten wägen Risiken ab, testen Grenzen und versuchen, die Entschlossenheit des Gegenübers einzuschätzen.

Seine zugespitzte Botschaft lautet, dass übermäßige Freundlichkeit kaum zu besonders hohen Zahlungen führt. Gemeint ist damit nicht, dass Beschäftigte aggressiv auftreten sollten. Wer mehr erreichen will, muss jedoch bereit sein, die Interessen des Arbeitgebers konsequent mit den eigenen Forderungen zu konfrontieren. Eine schnelle, harmonische Einigung kann bequem sein, schwächt aber möglicherweise die Verhandlungsposition.

Härte ist kein Selbstzweck

Die Aussicht auf eine höhere Abfindung kann dazu verleiten, jede Einigung zunächst abzulehnen. Doch Verhandlungshärte allein garantiert keinen Erfolg. Entscheidend ist, ob die eigene Position glaubwürdig wirkt und ob man bereit ist, die möglichen Folgen eines längeren Konflikts zu tragen.

Das Pokerbild macht diesen Zusammenhang deutlich: Eine Forderung gewinnt nicht allein durch ihre Höhe an Gewicht, sondern durch die erkennbare Bereitschaft, sie durchzuhalten. Wer blufft, ohne die Konsequenzen bedacht zu haben, riskiert, dass die Gegenseite nicht nachgibt. Umgekehrt kann eine zu frühe Zustimmung dazu führen, dass vorhandener Spielraum ungenutzt bleibt.

Für Betroffene ist die Situation zusätzlich belastend, weil finanzielle und persönliche Fragen ineinandergreifen. Der Verlust des Arbeitsplatzes schafft Unsicherheit, während zugleich Entscheidungen unter Zeit- und Erwartungsdruck getroffen werden müssen. Gerade deshalb ist eine sachliche Bewertung wichtiger als der Wunsch, entweder möglichst schnell Ruhe zu haben oder den Konflikt um jeden Preis zu gewinnen.

Der richtige Zeitpunkt zum Aufhören

Fuhltrott betont neben der Konfliktbereitschaft auch die Grenze des Pokerns. Eine Verhandlung sollte nicht deshalb fortgesetzt werden, weil bereits viel Zeit und Energie investiert wurden. Maßgeblich ist vielmehr, ob eine weitere Eskalation noch in einem vernünftigen Verhältnis zum möglichen zusätzlichen Ergebnis steht.

Das setzt eine realistische Einschätzung voraus: Wie stark ist die eigene Position, wie kompromissbereit erscheint die andere Seite und welche Belastungen bringt ein längerer Streit mit sich? Da die Meldung keine pauschalen Beträge oder Erfolgsformeln nennt, lässt sich daraus bewusst keine allgemeingültige Zielgröße ableiten. Der Kern der Strategie liegt im Abwägen, nicht in einem festen Schema.

Bedeutung für Unternehmen

Auch Arbeitgeber müssen bei Kündigungen zwischen Kosten, Zeitaufwand und Planungssicherheit abwägen. Harte Verhandlungen können Trennungen verlängern und interne Ressourcen binden. Schnelle Einigungen schaffen dagegen Klarheit, können aber mit höheren unmittelbaren Zahlungen verbunden sein. Wie sich Unternehmen entscheiden, hängt daher auch von ihrer Konfliktbereitschaft und ihrem Interesse an einem zügigen Abschluss ab.

Was das für Anleger bedeutet: Abfindungsverhandlungen sind vor allem bei Personalabbau ein qualitativer Hinweis auf mögliche Folgekosten und Umsetzungsrisiken. Ohne konkrete Angaben lassen sich daraus weder Belastungen noch Effekte auf Gewinne ableiten. Anleger sollten bei Restrukturierungen deshalb darauf achten, wie Unternehmen den Personalumbau begründen und ob sie mögliche Konflikte und Kosten transparent einordnen.

Automatisch erstellte Analyse auf Basis öffentlicher Berichterstattung (Ausgangsmeldung). Keine Anlageberatung.

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